Kunstkatalog

MenschKunst — Kunst aus D-A-CH

JacquelineBind

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Jacqueline Bind ◇ Malerin ◇ Zeitgenössische Mixed Media Kunst Die Vergangenheit hinterlässt Spuren. Wer Du heute bist, entscheidest Du selbst. Mein Weg zur Kunst begann nicht mit dem Wunsch, Künstlerin zu werden. Er begann mit der Entscheidung, meinem Leben eine völlig neue Richtung zu geben. 2015 zwang mich eine tiefe persönliche Krise zu erkennen, dass nichts mehr so weitergehen konnte wie bisher. Ich hinterfragte einfach alles. Vor allem die Rollen und Muster, die andere mir auferlegt hatten. Mehr und mehr wurde klar, dass so vieles nicht mehr zu mir gehört. Es war mein Weg vom Müssen zum Wollen. Von dem Leben, das von Erwartungen bestimmt war, hin zu einem Leben, das ich heute selbst gestalte. Diese Erfahrungen prägen bis heute meine Haltung und meine Kunst. Ich arbeite überwiegend figurativ, lasse mir dabei aber bewusst Raum für abstrakte Ergebnisse, wenn es das Thema braucht. Meine Werke wachsen durch das Layering vieler feiner Schichten durchscheinender Papiere, Stoffe, Lasuren und anderer besonderer Materialien. Sie tragen Spuren, die sich bis zur Fertigstellung unaufhaltsam aufbauen. Was darunter liegt, verschwindet dabei nie vollständig. Genau hier liegt für mich die Faszination: Jede Schicht erzählt etwas und verändert zugleich das, was bereits vorhanden ist, ohne es zu verdecken. Die Oberfläche bekommt Tiefe, Struktur und eine einzigartige Haptik. Manches ist auf den ersten Blick sichtbar, anderes erschließt sich erst beim genaueren Hinsehen. Kein Werk wird so, wie es ursprünglich in meinem Kopf begonnen hat. Während des Prozesses entdecke ich andere Möglichkeiten, treffe neue Entscheidungen und lasse mich von Farbe, Struktur, Material und dem, was auf der Leinwand entsteht, leiten. Alles kann, nichts muss. Für mich liegt darin ein Stück der Freiheit, die ich mir auch für mein eigenes Leben erarbeitet habe. So sind meine Bilder keine Abbildungen meiner persönlichen Geschichte. Sie tragen vielmehr meine Haltung in sich: Die Vergangenheit hinterlässt Spuren. Das ist unveränderlich. Aber wir sind diesen Erfahrungen nicht ausgeliefert, sondern entscheiden bewusst, was wir daraus machen. Mich inspirieren Menschen, die ihren eigenen Weg gehen. Menschen mit einer klaren Haltung, die sich nicht verbiegen, um mit dem Strom zu schwimmen. Menschen, die bereit sind, Entscheidungen zu treffen – auch wenn diese unbequem sind. Und Menschen, die gelernt haben, sich selbst Wertschätzung entgegenzubringen. Das ist die Verbindung zwischen meinem Lebensweg und meiner Kunst: Wir sind nicht festgelegt auf das, was war. Wir entscheiden, wer wir werden. Die Werke geben keine allgemeingültigen Antworten. Sie begegnen Dir und lassen Raum für eigene Gedanken und Geschichten. Es kommt vor, dass jemand etwas entdeckt, das mich selbst gar nicht beschäftigt hat. Beim Betrachten kann eine sichtbare Spur zum Ausgangspunkt für eine ganz persönliche Erinnerung werden. Wie im Leben bleibt auch auf der Leinwand etwas von dem erhalten, was vorher da war. Nichts bleibt, wie es war. Und trotzdem gehört alles, was einmal war, zur Geschichte.